WBC Willy Brandt Center Jerusalem

Jahrestagung 2004

Ein Jahr Willy Brandt Center in Abu Tor

Zu einem einmaligen Treffen zwischen einer Parlamentsabgeordneten der palästinensischen Fatah und der israelischen Arbeitspartei (Avoda) kam es auf der Jahrestagung des Willy Brandt Centers Jerusalem. „Seit Beginn der zweiten Intifada hatte ich meine Treffen mit Israelis unterbrochen“, sagte Dalal Salameh, die jüngste Abgeordnete des palästinensischen Legislativrates, zu Beginn des Gesprächs mit der israelischen Parlamentarierin Juli Tamir.

Andrea Nahles, Vorsitzende des Willy Brandt Centers, zeigte sich stolz, dass das Treffen stattfinden konnte. „Zwischen Arafats Fatah-Bewegung und der Arbeitspartei von Schimon Peres herrscht seit Jahren offizielle Sprachlosigkeit.“ Das Willy Brandt Center als trilaterales Projekt ist der einzige Rahmen, in denen wenigstens die Jugendorganisationen offiziell zusammengearbeitet hätten.

Dalal Salameh beklagte, dass in den letzten vier Jahren nicht mehr über Menschen, sondern über Zahlen gesprochen werde. „Es kommt auf eine hohe Zahl von Getöteten an, dann ist die politische Wirkung am größten“, beschreibt sie die Perversion eines Selbstmordattentats. Die im Balata-Flüchtlingslager aufgewachsene Salameh erzählte, dass sie dort die erste Frau gewesen sei, die das Existenzrecht Israels anerkannt habe. Als sie in den Legislativrat gewählt wurde, habe sie in der palästinensisch-israelischen Parlamentariergruppe mitgearbeitet. „Es war sehr wichtig für mich, dort nach gemeinsamen Ideen zu suchen.“

Juli Tamir bezeichnete ihr Gespräch mit Salameh als „sehr ermutigend“. Sie übte scharfe Kritik an der Politik Ariel Scharons. Sie habe dem einseitigen Rückzug aus dem Gaza-Streifen zwar zugestimmt, doch der „Unilateralismus“ sei ein großer Fehler. „Die Palästinenser zu ignorieren ist ein falscher und unmenschlicher Weg.“

Gut 50 PalästinenserInnen, Israelis und EuropäerInnen nahmen an der Tagung „Entscheidung für Geschichte – Zukunft und Perspektiven“ anlässlich des einjährigen Bestehens des Willy Brandt Centers teil. Gleichzeitig wurde Matthias Ries verabschiedet, der in den letzten vier Jahren das Zentrum überaus erfolgreich aufgebaut hat. Mit Beginn des Jahres 2005 übernimmt Heike Kratt als Juso-Repräsentantin seine Aufgabe in Jerusalem.

Die palästinensische Abgeordnete Dalal Salameh (Fateh).

Die israelische Abgeordnete Yuli Tamir (Avoda).

Gesprächspartner: Die Historiker Yotam Hotam und Albert Aghazarian.

Juso-Chef Björn Böhning und die WBZ-Vorsitzende Andrea Nahles.

Verabschiedet: Matthias Ries.

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