WBC Willy Brandt Center Jerusalem

Eröffnung des Willy-Brandt-Zentrums in Jerusalem

Am elften Todestag von Willy Brandt findet in Jerusalem die Eröffnung des Willy Brandt Center (WBC) im Stadtteil Abu Tor / Al Thouri statt. Hier bezieht das WBC sein Gebäude an einem Ort, der im ehemaligen Niemandsland zwischen dem Osten und dem Westen Jerusalems liegt.

Emile Jarjoui, Mitglied des Palästinensischen Legislativrates, die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese und Andreas Reinicke, Leiter des Deutschen Verbindungsbüros in Ramallah.

Dieser Standort ist sehr bewusst gewählt und „materialisiert“ die Idee des Zentrums als einen Ort, der für beide Seiten gleichermaßen zugänglich und offen sein möchte. Das Haus hat zwei Etagen, in denen sich eine Bibliothek, zwei Büros, eine Küche und ein größerer Empfangs- beziehungsweise Seminarraum befindet. Es hat eine großzügige Terrasse, die an einer Seite durch einen Garten begrenzt wird. Von dem Balkon auf der anderen Seite des Hauses hat man einen beeindruckenden Blick über Jerusalem mit der Altstadt im Zentrum. Die freundliche Atmosphäre, die das Haus insgesamt ausstrahlt, solle die Begegnungen, die hier stattfinden, positiv beeinflussen.

Die Eröffnungsreden am 8. Oktober 2003 halten die Jugendausschuss­vorsitzende des Bundestages, Kerstin Griese (SPD), sowie ihre Abgeordneten-Kollegen Jitzhak Herzog (Arbeitspartei), Emile Jarjoui (Fatah) und Jossi Sarid (Meretz). Außerdem nehmen Botschafter Rudolf Dreßler (Tel Aviv), Botschaftsrat Andreas Reinicke (Ramallah), die FES-Büros Herzliya und Ost-Jerusalem sowie weitere NGOs teil. Die Jusos sind durch die Bundesvorstandsmitglieder Susann Engert und Kai Burmeister, die internationale Sekretärin Inken Wiese sowie den Nahost-Projektgruppen-Mitgliedern Heike Kratt, Lars Jeschke und Irene Weipert vertreten, außerdem nehmen eine Reihe von VertreterInnen der israelischen und palästinensischen Partnerorganisationen teil. Vom Fördervereins-Vorstand sind Harald Schrapers und Rainer Zimmer-Winkel anwesend.

Der Knesset-Abgeordnete Jitzhak Herzog und Botschafter Rudolf Dreßler.

Die Eröffnung des Zentrums ist ein enormer Erfolg, beinahe die Realisierung eines Traumes. Denn die stetigen Rückschritte im Friedensprozess führten dazu, dass offizielle und direkte Kontakte zwischen der palästinensischen und israelischen Seite immer schwieriger wurden. Es muss allein schon als großer Erfolg gewertet werden, dass der 1969 in Ramallah geschlossene Vertrag nie gekündigt wurde. Alle drei Seiten hatten sich entschieden, an der Idee des WBC festzuhalten, in dem sie die offiziellen Kontakte ihrer Organisationen vorerst zu einem großen Teil auf bilaterale Begegnungen mit der deutschen Seite beschränkten. Gleichzeitig wird ein Team aufgebaut, das aus palästinensischen, israelischen und europäischen Mitgliedern besteht, die innerhalb des Zentrums intensiv zusammenarbeiten. Einige der Teammitglieder gehören einer der politischen Partnerorganisationen des WBC an, die anderen haben Erfahrungen in der Projektarbeit auf der zivilgesellschaftlichen Ebene, sind KommunikationstrainerInnen, ExpertInnen in ziviler Konfliktlösung oder ausgebildete Friedensfachkräfte.

Unter den gegenwärtigen äußeren Bedingungen ist die Teamarbeit nicht einfach und auch nicht immer harmonisch. Konflikte sollen nicht unterdrückt, sondern thematisiert werden. Das wiederum fordert einen hohen Einsatz und zum Teil große persönliche Anstrengungen, sich gegen die allgemeine Stimmung, nicht mit der anderen Seite zu kooperieren, durchzusetzen.

Heinz Wagner (forumZFD) und der Abgeordnete Jossi Sarid (Meretz).

Die Idee des Zentrums, ein offener Raum für Jugendliche und junge Erwachsene zu sein, beginnt sich in entsprechenden Angeboten und Projekten des Zentrums zu realisieren. Noch konzentrieren sich die meisten Projekte zunächst auf eine der beiden Seiten. Dies geschieht vor allem aus der Erkenntnis, dass „erzwungene“ Begegnung nicht dazu angetan ist, bestehende Vorurteile, Ängste und Hassgefühle gegenüber den jeweils anderen abzubauen.

Das Willy-Brandt-Zentrum wird bewusst als „politisches Projekt“ beschrieben und vom BMZ entsprechend gefördert. Die Einmaligkeit dieses Projektes besteht darin, dass es nicht als „Graswurzel“-Projekt angelegt ist. Vielmehr arbeitet das WBC mit Vertreterinnen und Vertretern der „mittleren politischen Ebene“, die in der Regel über Kontakte in die höhere Ebene politischer Entscheidungsstrukturen verfügen.

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