|
WBC Willy Brandt Center Jerusalem |
![]() |
DDP, 12.09.06
Berlin (ddp). Im Raum 3.101 des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin ist das Bemühen um Frieden und Verständigung in Nahost ein Stück näher gerückt. Was auf internationaler politischer Ebene noch nicht möglich ist, schien hier im Kleinen zu gelingen: Jugendvertreter der israelischen Arbeitspartei, der palästinensischen Fatah und der SPD kamen am Montagabend anlässlich des zehnten Geburtstags des Willy-Brandt-Zentrums Jerusalem zusammen, um Möglichkeiten und Grenzen der politischen Verständigung zu diskutieren. Auch Bundesaußenminister
«Die Deutschen haben es geschafft, die Mauer abzureißen. Dann sollten
wir dies in Israel auch schaffen.» Beeindruckt zitierte Steinmeier diesen
Satz einer jungen Palästinenserin. «Viel besser kann man es wohl nicht
ausdrücken.»
In Israel stehe die Mauer noch. «All das Bemühen um Waffenstillstand hat
gezeigt, dass wir am Kernkonflikt der Region noch nicht angekommen sind«,
sagte der Außenminister. Politische Lösungsversuche müssten daher
eingebettet werden in die Wiederbelebung des gesamten nahöstlichen
Friedensprozesses.
Adib Saleem, Mitglied der Fatah-Jugend in Jerusalem, zeigte sich skeptisch. Nach dem Krieg im Libanon könne ein Dialog nur etwas bringen, »wenn wir nicht nur reden, sondern sicher ein Übereinkommen erreichen.« »
Auch der Vorsitzende der Israelischen Arbeitspartei, Eran Hermoni, äußerte Vorbehalte. «Wenn jemand mit mir sprechen will, spreche ich auch mit ihm. Aber nur, wenn wir wirklich zu einem Ergebnis kommen wollen.» Diesen Willen könne er innerhalb der palästinensischen Regierung nicht erkennen. Die «Realität» habe sich hier «immer wieder verschoben».
Im Dialog mit Israel sei die anhaltende Besatzung ein Haupthindernis, erklärte Adib Saleem. Seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 hätten die Palästinenser «niemals das Gefühl gehabt, ein normales Leben zu führen». 60 Prozent Arbeitslosigkeit und die brachliegende Wirtschaft hielten die Bereitschaft zu Verständigung gering.
In Israel stimmten 60 Prozent der Bevölkerung für den Dialog mit der PLO, beschrieb Uri Zaki, Vorsitzender der Jugendorganisation der isralischen Meretz-Partei, die Stimmung in seiner Heimat. Der Prozess der Verständigung könne jedoch nur vorangetrieben werden, wenn «die dunklen Mächte, die sich für Gewalt aussprechen», überwunden würden.
«Ich hoffe, dass wir nach dem tiefen Schrecken in eine Phase der Verständigung kommen», sagte Steinmeier am Ende der Gesprächsrunde. Der Verlauf der Diskussion an diesem Abend zeigte jedoch deutlich, dass der Weg dorthin noch schwierig wird.
(ddp)
www.willybrandtcenter.org/en/aboutus/media/ddp
04.02.2012, 13:02