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Geschichte des WBC | Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem

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Geschichte des WBC

Vertrag und
erste Aktivitäten

Am 09. April 1996 unterzeichneten die drei Vorsitzenden Andrea Nahles (Jusos), Ofer Dekel (Arbeiterpartei-Jugend) und Sabri Tomezi (Shabeebah Fateh) den Gründungsvertrag des „Willy-Brandt-Zentrums für Begegnung und Verständigung“. Vorausgegeangen waren monatelange Vorbereitungen und stundenlange Verhandlungen in einer Zeit, in der der Osloer Friedensprozess bereits erhebliche Rückschläge erlitten hatte. Einen gemeinsamen Raum für die Jugendverbände zu schaffen war zwar Ziel, aber in 1996 noch mehr Utopie.

Die Jusos sahen damals ihre Rolle darin, sich als „gelegentliche Moderatoren“ in die Gespräche zwischen ihren israelischen und palästinensischen Partnerorganisationen einzuschalten. Die sich stetig verschärfende politische Lage bedeutete aber viel mehr regelmäßige Anstrengungen, damit die Partner nicht in gegenseitige Sprachlosigkeit verfallen.

Im Jahr 2000 konnte das WBC dann sein erstes kleines Büro in Jerusalem eröffnen. Der in Berlin gegründete WBC-Förderverein war Mitglied des Forums Ziviler Friedensdienst (forumZFD) geworden und konnte daher zum ersten Mal durch das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe gefördert werden. Als erste Friedensfachkraft übernimmt Matthias Ries das WBC-Büro und treibt einen Ausbau der Aktivitäten voran. Erfolgreich war vor allem das 2002 gestartete Projekt „Decision for History“, in dem sich insgesamt 16 Jugendgruppen aus verschiedensten politischen Lagern über die unterschiedlichen Geschichtserzählungen und -wahrnehmungen des Konflikts austauschen. Da unter den Bedingungen der entflammten Intifada eine echte trilaterale Kooperation nahezu unmöglich war, wurde das Internet erstmals als Kommunikationse­plattform genutzt, die den Gruppen Einsicht in die Ergebnisse der jeweils anderen gibt. Bestandteil von getrennten Workshops war außerdem die Vermittlung von Methoden gewaltfreier Kommunikation.

Eröffnung
des Hauses

Am elften Todestag von Willy Brandt findet in Jerusalem die Eröffnung des Hauses im Stadtteil Abu Tor/Al Thouri statt. Dieser Standort war bewusst gewählt und „materialisiert“ die Idee des Zentrums als einen Ort, der für beide Seiten gleichermaßen zugänglich sein möchte.

Die Eröffnungsreden am 8. Oktober 2003 halten die Jugendausschuss­vorsitzende des Bundestages, Kerstin Griese für die SPD und Emile Jarjoui für Fatah (siehe Bild oben zusammen mit Andreas Reinicke) sowie Jitzhak Herzog für die Arbeitspartei (siehe Bild unten zusammen mit Botschafter Rudolf Dreßler) und Jossi Sarid (Meretz). Außerdem nehmen Botschafter Rudolf Dreßler (Tel Aviv), Botschaftsrat Andreas Reinicke (Ramallah), die FES-Büros Herzliya und Ost-Jerusalem sowie viele weitere NGOs teil.

Die Eröffnung des Zentrums war ein enormer Erfolg, da die stetigen Rückschritte im Friedensprozess dazu führten, dass offizielle und direkte Kontakte zwischen der palästinensischen und israelischen Seite immer schwieriger wurden. Trotzdessen entschieden sich alle Organisationen, an der Idee des Zentrums festzuhalten. Gleichzeitig wurde ein Team aufgebaut, das aus palästinensischen, israelischen und europäischen Mitgliedern besteht. Einige der Teammitglieder gehören einer der politischen Partnerorganisationen des WBC an, die anderen haben Erfahrungen in der Projektarbeit auf der zivilgesellschaftlichen Ebene, sind KommunikationstrainerInnen, ExpertInnen in ziviler Konfliktlösung oder ausgebildete Friedensfachkräfte.

Die Idee des Zentrums, ein offener Raum für Jugendliche und junge Erwachsene zu sein, begann sich daraufhin in entsprechenden Angeboten und Projekten des Zentrums zu realisieren. Das Willy-Brandt-Zentrum wird bewusst als „politisches Projekt“ beschrieben und vom Bundesministerium für witschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung entsprechend gefördert. Die Einmaligkeit dieses Projektes besteht darin, dass es nicht als „Graswurzel”-Projekt angelegt ist. Vielmehr arbeitet das WBC mit Vertreterinnen und Vertretern der „mittleren politischen Ebene“, die in der Regel über Kontakte in die höhere Ebene politischer Entscheidungsstrukturen verfügen.