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Willy Brandt | Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem

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Willy Brandt

„Friede ist nicht alles,
aber ohne Frieden ist alles nichts“

Eines der bekanntesten Bilder Brandts ist der Kniefall vor dem Ehrenmal des jüdischen Ghettos in Warschau am 7. Dezember 1970. Willy Brandt schaffte es, als Repräsentant des „anderen“ Deutschlands international wahrgenommen zu werden.

Willy Brandt steht wie kein Anderer für Frieden, Demokratie und sozialdemokratische Werte. Unvergessen bleibt sein Kniefall vor dem Mahnmal des Warschauer Ghettos im Dezember 1970. Ein Jahr darauf erhielt er den Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik, die auf Entspannung und Annäherung mit den Ostblockstaaten zielte. Auch bei seinem Israelbesuch 1973 fand Brandt die richtigen Worte und Gesten und setze sich fortan auch im Namen Osten für Entspannungspolitik und Gewaltverzicht ein.

1913 in Lübeck als Herbert Frahm geboren, musste er im Alter von 19 Jahren vor den Nazis nach Norwegen fliehen. 1969 bis 1974 war er der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und erhielt 1971 den Friedensnobelpreis. 13 Jahre lang war er Vorsitzender der SPD; 16 Jahre lang Vorsitzender der Sozialistischen Internationalen. Am 8. Oktober 1992 starb Willy Brandt.

Mit 16 Jahren wird Herbert Frahm 1929 in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) in Lübeck aktiv, ein Jahr später tritt er der SPD bei. Bereits 1931 kehrte er ihr wieder den Rücken und tritt zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) über, die sich mit dem Anspruch einer radikaleren Politik gegen die nationalsozialistische Bedrohung von der SPD abgespalten hat.

1933 flieht er ins norwegische Exil und nennt sich fortan Willy Brandt. Er ist in Oslo journalistisch tätig, engagiert sich in der norwegischen Arbeiterpartei sowie ihrer Jugendorganisation AUF und organisiert die Exilarbeit der SAP. Er fährt – getarnt als norwegischer Student – nach Berlin und versucht, die dortige SAP-Untergrundarbeit zu reorganisieren. Als Journalist und politischer Beobachter reist er ebenso in das Bürgerkriegs-Spanien.

1940 muss der inzwischen Ausgebürgerte vor den deutschen Truppen nach Schweden fliehen. Er erhält die norwegische Staatsbürgerschaft. Nach Ende des Krieges, inzwischen ist er wieder SPD-Mitglied, nimmt er als Journalist an den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen teil. 1947 wird er Presseattaché der norwegischen Militärmission in Berlin. 1948, er ist 34 Jahre alt, erhält er die deutsche Staatsbürgerschaft zurück.

Es ist die Lebensgeschichte als junger Mann, die Willy Brandt so faszinierend macht — und sein Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie. 1973 besucht er als erster deutscher Bundeskanzler Israel. Als Vorsitzender der Sozialistischen Internationalen (SI) befreit der die Organisation vom „Eurozentrismus“ und bemüht sich um Lösungen für den Nahostkonflikt. Er legt zusammen mit dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky einen Friedensplan vor und trifft sich 1979 zu einem spektakulären Meinungsaustausch mit Jassir Arafat in Österreich.

1992 findet der Kongress der SI in Berlin statt. Willy Brandt, bereits todkrank, kann nicht anreisen. Seine Abschiedsrede lässt er von Hans-Jochen Vogel verlesen: „Wo immer schweres Leid über die Menschen gebracht wird, geht es uns alle an. Vergesst auch nicht: Wer Unrecht lange geschehen lässt, bahnt dem nächsten den Weg.“ Und weiter heißt es: „Auch nach der Epochenwende 1989 und 1990 konnte die Welt nicht nur ‚gut‘ werden. Unsere Zeit allerdings steckt, wie kaum eine andere zuvor, voller Möglichkeiten – zum Guten und zum Bösen. Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum — besinnt euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung